Kinder bewegen - Ausdruckstheater in Uganda

Ermöglicht durch die CBM (Christoffel-Blindenmission) erarbeitete Frank Martin Widmaier im April 2012 ein integratives Projekt (INCLUSION) unter dem Titel „Kinder bewegen -- Ausdruckstheater in Uganda". Hier gelang es dem deutschen Regisseur aus Sindelfingen zu den Klängen von Maurice Ravels "Bolero" in einem künstlerischen Prozess Randgruppen der Ugandischen Gesellschaft zueinander zu führen und eine Performance unter der Sonne Afrikas zu realisieren.

 

Die kleinen, mobilitätseingeschränkten Patienten der Rehabilitationsklinik CoRSU in Kampala treffen auf die "Kids of Africa", ein Waisenhausprojekt unter Schweizer Leitung. Nach anfänglichen Berührungsängsten schaffte es Widmaier, die beiden unterschiedlichen Gruppen bis hin zu einer Aufführung ihrer Performance vor dem deutschen Botschafter und dem ugandischen Vizepräsidenten anzuleiten. Ein bewegender Moment in Kampala!

Dokumentation von Marcel Kolvenbach

 

Presse:

Bewegendes Ausdruckstheater in Uganda

 

 

UGANDA/BENSHEIM. Benedicto sitzt im Rollstuhl. In der Vergangenheit hat er häufig Ausgrenzung und Ablehnung wegen seiner Behinderung erlebt. Bei dem Theaterworkshop des renommierten deutschen Regisseurs Frank Martin Widmaier machte Benedicto mit anderen behinderten und nicht-behinderten Kindern eine ganz neue Gemeinschaftserfahrung.
Die CBM feierte am vergangenen Freitag die Eröffnung des Rehabilitationszentrums CoRSU in Kampala, der Hauptstadt Ugandas. Der Vizepräsident Ugandas, Edward Ssekandi, und der deutsche Botschafter, Klaus Dieter Düxmann, zeigten sich begeistert von den 40 Kindern. Die Kinder aus dem nahe gelegenen Waisenhaus "Kids of Africa" und der Reha-Klinik erzählten eine Geschichte über das Zusammenwachsen von behinderten und nicht-behinderten Menschen.
Neue Gemeinschaftserfahrung
Zu den Klängen von Ravels Bolero begannen die Kinder zwischen vier und 18 Jahren, sich auf der Bühne zu bewegen, und fanden sich zunächst in zwei Gruppen zusammen. Vorsichtig näherten sie sich einander an und bildeten einen großen Kreis, in dem jedes Kind einen Platz fand. Die Geschichte spiegelte auch die Erfahrungen beim Workshop wider, bei dem sie sich zuerst fremd waren. Doch sie fanden zueinander und gemeinsam beendeten sie die Aufführung unter tosendem Beifall der Zuschauer mit den Worten: "Wir leben gemeinsam in Uganda!" Für Benedicto und die anderen Kinder der Klinik, die wegen Gaumen-Lippenspalten, Klumpfuß oder anderer körperlicher Behinderungen behandelt werden, war dies eine wunderbare und neue Erfahrung.
Rehabilitationszentrum CoRSU – Hilfe für arme Bevölkerung
Die Gaumen-Lippenspalte wird in Uganda wegen Unwissenheit und Ärztemangel oft erst spät behandelt. Sie ist eine meist sehr entstellende Körperbehinderung, die auch das Sprechen und Essen schwierig macht und zu Ausgrenzung führt. Im Rehabilitationszentrum CoRSU werden plastische Operationen seit 2009 durchgeführt. Ziel ist es, vor allem auch die arme Bevölkerung zu erreichen, die sich eine qualifizierte ärztliche Versorgung nicht leisten kann. Nach der Fertigstellung der zweiten orthopädischen Station können nun mehr Patienten behandelt werden. Außerdem gibt es endlich zusätzliche Räume für therapeutische Nachbehandlungen und die Ausbildung medizinischer Fachkräfte.
 
Frank Martin Widmaier – Regisseur an europäischen Bühnen
Frank Martin Widmaier, der zurzeit einen Lehrauftrag für Theatermanagement an der Medienakademie Dortmund hat, war bis 2010 Künstlerischer Betriebsdirektor am Theater Dortmund und zuvor stellvertretender Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München. Zuletzt sorgte seine Inszenierung von Wagners "Parsifal" an den Städtischen Bühnen Münster überregional für große Aufmerksamkeit. Er arbeitete als Regisseur unter anderem an Bühnen in Wien, Berlin, München, Frankfurt, Monte Carlo, Freiburg, Montpellier und Halle an der Saale.
Auch erarbeitete er verschiedene Produktionen mit aktiv mitwirkenden Jugendlichen, die er an professionelle Theatervorgänge durch Einbindung in seine Inszenierungen heranführte. Neben seinem Lehrauftrag ist Widmaier auch künstlerischer Leiter der Stadt Sindelfingen für die Konzeption des Festwochenendes beim Stadtjubiläum "750 Jahre Stadt Sindelfingen 2013".

Kinder bewegen – Ausdruckstheater in Uganda

 

„Bolero“ für den Vizepräsidenten

03.04.2012 -

 

Der aus Sindelfingen stammende Theaterregisseur Frank Martin Widmaier leitete eine Woche lang einen Theaterworkshop in Kampala, der Hauptstadt Ugandas (die SZ/BZ berichtete). „Die Theaterarbeit kann sehr viel für das Thema Inklusion leisten“, lautet Widmaiers Fazit nach seiner Rückkehr. Das Thema Inklusion, also das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung, voranzubringen, lautete eines der Ziele, für die Matthias Widmaier, Geschäftsführer des „Corsu“-Rehabilitationszentrums in Kampala und Entwicklungshelfer, seinen Bruder für einen einwöchigen Theaterworkshop nach Uganda holte. Das Projekt sei ein voller Erfolg gewesen, berichtet Frank Martin Widmaier: „Die Teilnehmer haben in kurzer Zeit komplexe Bewegungsabläufe gelernt und sehr viel über den eigenen Körper erfahren.“ Das Gemeinschaftsgefühl sei großartig gewesen: „Es entstanden Freundschaften.“ Mit der Aufführung des Stücks „Bolero“ am 23. März, mit dem ugandischen Vizepräsidenten Edward Ssekandi und dem deutschen Botschafter Klaus Dieter Düxmann unter den rund 250 Zuschauern, schloss Frank Martin Widmaier das Projekt ab (ausführlicher Bericht folgt).

 

„Jeder Mensch ist ein Künstler“

09.03.2012 - 

Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber

Die SZ/BZ hat sich mit Frank Martin Widmaier, der derzeit einen Lehrauftrag für Theatermanagement an der Medienakademie Dortmund innehat und an der künstlerischen Konzeption der 750-Jahr-Feier der Stadt Sindelfingen für 2013 mitarbeitet, über das Projekt „Kinder bewegen – Ausdruckstheater in Uganda“ unterhalten.

Wie kommt es zu dem Theaterworkshop-Projekt „Kinder bewegen“ im „Corsu“-Rehabilitationszentrum in Kampala, der Hauptstadt Ugandas?

 

Frank Martin Widmaier: „Mein Bruder Matthias Widmaier ist Geschäftsführer des Rehabilitationszentrums und Entwicklungshelfer dort. Gemeinsam hatten wir die Idee, die Möglichkeiten des Theaters zu nutzen, um mit behinderten und nicht behinderten Kindern dort etwas auf die Beine zu stellen. Als weiterer Kooperationspartner ist die Christoffel-Blindenmission mit im Boot. Meine Arbeit ist ehrenamtlich, ich finde einfach die Idee spannend: Ich bekomme kein Geld, zahle den Flug selbst.“

 

Worum geht es bei dem Projekt?

Frank Martin Widmaier: „Aufgrund ihrer Lebensumstände leiden viele Menschen in Uganda an Behinderungen. Ziel des Theaterworkshops ist, der Ausgrenzung behinderter Menschen etwas entgegenzusetzen. Es geht also um das Thema Inklusion.“

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Wie gehen Sie vor?

Individualität und Gemeinschaftsgefühl sollen im Zentrum der Geschichte stehen

Frank Martin Widmaier: „In meinem Theaterworkshop werde ich die individuellen Geschichten der Teilnehmer erforschen, vor allem Patienten des Zentrums und deren Angehörige sowie Kinder eines Waisenhauses. Mit Mitteln des Theaters soll daraus eine Geschichte entstehen, die Gemeinschaft stiftet. Individualität und Gemeinschaftsgefühl sollen gleichermaßen im Zentrum dieser Geschichte stehen. Die Teilnehmer sollen ihr Leben in Bewegungen umsetzen, dadurch von sich erzählen.“

Wie viele Teilnehmer erwarten Sie?

Frank Martin Widmaier: „Wir rechnen mit rund 60 Teilnehmern. Ich habe allerdings noch keine genaue Vorstellung davon, was mich vor Ort erwartet.“

Sie verstehen Ihre Arbeit nicht als theaterpädagogische Arbeit.

Frank Martin Widmaier: „Nein, nicht im klassischen Sinne: Die Einbindung von Nicht-Profis in Theaterproduktionen verstehe ich grundsätzlich nicht als pädagogische, sondern als künstlerische Arbeit. Menschen werden sowieso dauernd erzogen. Das brauchen sie im Theater nicht auch noch.

Meine Grundthese lautet: Jeder Mensch ist ein Künstler. Werden Regieprozesse kleinteiliger zerlegt, können Laien großen theatralischen Ausdruck erreichen. Der Fachbegriff lautet Elementarisierung von Regiehandwerk, über den ich auch wissenschaftlich gearbeitet habe.“

Woher wissen Sie, dass die Menschen in Uganda mit dem Theaterspielen etwas anfangen können?

Frank Martin Widmaier: „Das Spielen, und damit auch das Theaterspielen, findet sich bei allen Menschen. Mir geht es ohnehin nicht darum, meine Vorstellungen von europäischem Theater nach Uganda zu exportieren: Ich bin nicht in kulturideologischer Mission unterwegs.

Was sich beim Workshop entwickelt, soll authentisch sein. Mir ist klar, dass ich meine eigenen kulturellen Prägungen werde mitreflektieren müssen.“

Wie werden Sie mit den Menschen kommunizieren?

Frank Martin Widmaier: „Englisch verstehen die meisten dort, und ich bekomme außerdem einen Dolmetscher an die Seite.“

Frank Martin Widmaier, der letztes Jahr erstmals als Regisseur in der Martinskirche Sindelfingen aktiv war, leitet ein Theaterprojekt in Uganda.

 

Renommierter deutscher Regisseur macht Theaterworkshop mit behinderten und nicht-behinderten Kindern in CBM-Projekt

BENSHEIM. Sie haben einen Klumpfuß, eine Gaumen-Lippenspalte oder sitzen im Rollstuhl: Die körperbehinderten Kinder, mit denen der renommierte deutsche Regisseur Frank Martin Widmaier in Uganda Theater spielen wird, haben in ihrem Leben bislang vor allem Ablehnung und Ausgrenzung erfahren.
Ein Theaterworkshop Mitte März zusammen mit nicht-behinderten Kindern soll ihnen neuen Mut und Selbstvertrauen in die eigene Stärke geben. Eine Aufführung zur Eröffnung des von der Christoffel-Blindenmission (CBM) geförderten Rehabilitationszentrums CoRSU am 23. März bildet den Abschluss des Workshops.
Konkrete Ideen, wie er eine Aufführung mit rund 60 ugandischen Kindern umsetzen kann, hat Frank Martin Widmaier schon. "Ich würde gerne mit den behinderten und nicht-behinderten Jugendlichen versuchen, eine Geschichte über Einsamkeit und Gemeinsamkeit aus ihrem Leben zu erzählen — dabei Behinderung und persönliche Erfahrung mit einfließen lassen", sagt der Vater einer zehnjährigen Tochter. "Ich will nur etwas erzählen, was authentisch ist", betont Widmaier, der zuletzt mit großem Erfolg Wagners "Parsifal" an den Städtischen Bühnen Münster inszenierte.
Rehabilitationszentrum CoRSU – Hilfe für die Armen
Gaumen-Lippenspalte, an der Kinder in Uganda oft jahrelang leiden, zum Beispiel ist eine meist sehr entstellende Körperbehinderung, die auch die Ess- und Sprechfähigkeit stark einschränkt. Viele Kinder mit Behinderungen in Entwicklungsländern werden von ihren Familien versteckt, da diese Ausgrenzung befürchten müssen.
Im Rehabilitationszentrum CoRSU, in der ugandischen Hauptstadt Kampala, werden solche plastischen Operationen seit 2009 durchgeführt. Ziel ist es, vor allem auch die arme Bevölkerung zu erreichen, die sich selbst eine qualifizierte ärztliche Versorgung nicht leisten kann. Nach Beendigung des zweiten Bauabschnitts Anfang 2012 werden durch die zweite orthopädische Station mehr Patienten behandelt werden können. Außerdem gibt es endlich zusätzliche Räume für therapeutische Nachbehandlungen und die Ausbildung medizinischer Fachkräfte.
Frank Martin Widmaier - Regisseur an europäischen Bühnen
Frank Martin Widmaier, der zurzeit einen Lehrauftrag für Theatermanagement an der Medienakademie Dortmund hat, war bis 2010 Künstlerischer Betriebsdirektor am Theater Dortmund und zuvor stellvertretender Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München. Zuletzt sorgte seine Inszenierung von Wagners "Parsifal" an den Städtischen Bühnen Münster überregional für große Aufmerksamkeit. Er arbeitete als Regisseur unter anderem an Bühnen in Wien, Berlin, München, Frankfurt, Monte Carlo, Freiburg, Montpellier und Halle an der Saale.
Auch erarbeitete er verschiedene Produktionen mit aktiv mitwirkenden Jugendlichen, die er an professionelle Theatervorgänge durch Einbindung in seine Inszenierungen heranführte (z. B. Henzes "Pollicino" in Calw, Davies "Cinderella" in Berlin und Frankfurt und eine eigene Zauberflötenfassung für das Staatstheater am Gärtnerplatz). Neben seinem Lehrauftrag ist Widmaier auch künstlerischer Leiter der Stadt Sindelfingen für die Konzeption des Festwochenendes beim Stadtjubiläum "750 Jahre Stadt Sindelfingen 2013".
Christoffel-Blindenmission – 25 Millionen Menschen gefördert
Die Christoffel-Blindenmission (CBM) fördert derzeit 803 Projekte in 89 Ländern. Das Hauptziel der internationalen Entwicklungshilfeorganisation ist es, die Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern zu verbessern. Allein 2010 wurden durch die CBM 25 Millionen Menschen behandelt, gefördert oder betreut. Die CBM ist von der WHO als Fachorganisation anerkannt und hat seit 2002 Beraterstatus bei den Vereinten Nationen (UN).