Presse:
Bewegendes Ausdruckstheater in Uganda
Ermöglicht durch die CBM (Christoffel-Blindenmission) erarbeitete Frank Martin Widmaier im April 2012 ein integratives Projekt (INCLUSION) unter dem Titel „Kinder bewegen -- Ausdruckstheater in Uganda". Hier gelang es dem deutschen Regisseur aus Sindelfingen zu den Klängen von Maurice Ravels "Bolero" in einem künstlerischen Prozess Randgruppen der Ugandischen Gesellschaft zueinander zu führen und eine Performance unter der Sonne Afrikas zu realisieren.
Die kleinen, mobilitätseingeschränkten Patienten der Rehabilitationsklinik CoRSU in Kampala treffen auf die "Kids of Africa", ein Waisenhausprojekt unter Schweizer Leitung. Nach anfänglichen Berührungsängsten schaffte es Widmaier, die beiden unterschiedlichen Gruppen bis hin zu einer Aufführung ihrer Performance vor dem deutschen Botschafter und dem ugandischen Vizepräsidenten anzuleiten. Ein bewegender Moment in Kampala!
Dokumentation von Marcel Kolvenbach
03.04.2012 -
Der aus Sindelfingen stammende Theaterregisseur Frank Martin Widmaier leitete eine Woche lang einen Theaterworkshop in Kampala, der Hauptstadt Ugandas (die SZ/BZ berichtete). „Die Theaterarbeit kann sehr viel für das Thema Inklusion leisten“, lautet Widmaiers Fazit nach seiner Rückkehr. Das Thema Inklusion, also das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung, voranzubringen, lautete eines der Ziele, für die Matthias Widmaier, Geschäftsführer des „Corsu“-Rehabilitationszentrums in Kampala und Entwicklungshelfer, seinen Bruder für einen einwöchigen Theaterworkshop nach Uganda holte. Das Projekt sei ein voller Erfolg gewesen, berichtet Frank Martin Widmaier: „Die Teilnehmer haben in kurzer Zeit komplexe Bewegungsabläufe gelernt und sehr viel über den eigenen Körper erfahren.“ Das Gemeinschaftsgefühl sei großartig gewesen: „Es entstanden Freundschaften.“ Mit der Aufführung des Stücks „Bolero“ am 23. März, mit dem ugandischen Vizepräsidenten Edward Ssekandi und dem deutschen Botschafter Klaus Dieter Düxmann unter den rund 250 Zuschauern, schloss Frank Martin Widmaier das Projekt ab (ausführlicher Bericht folgt).
09.03.2012 -
Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber
Die SZ/BZ hat sich mit Frank Martin Widmaier, der derzeit einen Lehrauftrag für Theatermanagement an der Medienakademie Dortmund innehat und an der künstlerischen Konzeption der 750-Jahr-Feier der Stadt Sindelfingen für 2013 mitarbeitet, über das Projekt „Kinder bewegen – Ausdruckstheater in Uganda“ unterhalten.
Wie kommt es zu dem Theaterworkshop-Projekt „Kinder bewegen“ im „Corsu“-Rehabilitationszentrum in Kampala, der Hauptstadt Ugandas?
Frank Martin Widmaier: „Mein Bruder Matthias Widmaier ist Geschäftsführer des Rehabilitationszentrums und Entwicklungshelfer dort. Gemeinsam hatten wir die Idee, die Möglichkeiten des Theaters zu nutzen, um mit behinderten und nicht behinderten Kindern dort etwas auf die Beine zu stellen. Als weiterer Kooperationspartner ist die Christoffel-Blindenmission mit im Boot. Meine Arbeit ist ehrenamtlich, ich finde einfach die Idee spannend: Ich bekomme kein Geld, zahle den Flug selbst.“
Worum geht es bei dem Projekt?
Frank Martin Widmaier: „Aufgrund ihrer Lebensumstände leiden viele Menschen in Uganda an Behinderungen. Ziel des Theaterworkshops ist, der Ausgrenzung behinderter Menschen etwas entgegenzusetzen. Es geht also um das Thema Inklusion.“
Wie gehen Sie vor?
Individualität und Gemeinschaftsgefühl sollen im Zentrum der Geschichte stehen
Frank Martin Widmaier: „In meinem Theaterworkshop werde ich die individuellen Geschichten der Teilnehmer erforschen, vor allem Patienten des Zentrums und deren Angehörige sowie Kinder eines Waisenhauses. Mit Mitteln des Theaters soll daraus eine Geschichte entstehen, die Gemeinschaft stiftet. Individualität und Gemeinschaftsgefühl sollen gleichermaßen im Zentrum dieser Geschichte stehen. Die Teilnehmer sollen ihr Leben in Bewegungen umsetzen, dadurch von sich erzählen.“
Wie viele Teilnehmer erwarten Sie?
Frank Martin Widmaier: „Wir rechnen mit rund 60 Teilnehmern. Ich habe allerdings noch keine genaue Vorstellung davon, was mich vor Ort erwartet.“
Sie verstehen Ihre Arbeit nicht als theaterpädagogische Arbeit.
Frank Martin Widmaier: „Nein, nicht im klassischen Sinne: Die Einbindung von Nicht-Profis in Theaterproduktionen verstehe ich grundsätzlich nicht als pädagogische, sondern als künstlerische Arbeit. Menschen werden sowieso dauernd erzogen. Das brauchen sie im Theater nicht auch noch.
Meine Grundthese lautet: Jeder Mensch ist ein Künstler. Werden Regieprozesse kleinteiliger zerlegt, können Laien großen theatralischen Ausdruck erreichen. Der Fachbegriff lautet Elementarisierung von Regiehandwerk, über den ich auch wissenschaftlich gearbeitet habe.“
Woher wissen Sie, dass die Menschen in Uganda mit dem Theaterspielen etwas anfangen können?
Frank Martin Widmaier: „Das Spielen, und damit auch das Theaterspielen, findet sich bei allen Menschen. Mir geht es ohnehin nicht darum, meine Vorstellungen von europäischem Theater nach Uganda zu exportieren: Ich bin nicht in kulturideologischer Mission unterwegs.
Was sich beim Workshop entwickelt, soll authentisch sein. Mir ist klar, dass ich meine eigenen kulturellen Prägungen werde mitreflektieren müssen.“
Wie werden Sie mit den Menschen kommunizieren?
Frank Martin Widmaier: „Englisch verstehen die meisten dort, und ich bekomme außerdem einen Dolmetscher an die Seite.“
Frank Martin Widmaier, der letztes Jahr erstmals als Regisseur in der Martinskirche Sindelfingen aktiv war, leitet ein Theaterprojekt in Uganda.