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Erfolgsbilanz der Biennale Sindelfingen 2015

Dokumentation Biennale Sindelfingen 2015
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Festakt mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Konzeption, Bühne und Regie: Frank Martin Widmaier
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Beim Festwochenende, dem Höhepunkt der 750 Jahrfeier der Stadt Sindelfingen, ist Frank Martin Widmaier für das Konzept, die Inhalte, szenische Realisierung und die Inszenierung der Multimedia - Show SINDOLFS TRAUM verantwortlich.
Hier das Programmheft des Festwochenendes:
Vorberichte:

aus der Stuttgarter Zeitung:

Geschichtsbewusstsein schafft Identität

von Gerlinde Wicke-Naber, 19.09.2013 12:10 Uhr

 
 
Frank Martin Widmaier Foto: privat

Frank Martin WidmaierFoto: privat

 

Sindelfingen - Ohne Ehrenamtliche ist das Jubiläum nicht denkbar. Allein beim großen Festwochenende waren rund 2000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Einsatz. Frank Martin Widmaier, der als künstlerischer Leiter das Konzept für das Programm erstellt und umgesetzt hat, berichtet, wie die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen funktioniert.
Herr Widmaier, Sie haben als Regisseur des großen Sindelfinger Festwochenendes mit Hunderten Haupt- und Ehrenamtlichen zu tun gehabt. Wie schafft man es, so viele Leute bei der Stange zu halten?
Auch im professionellen Theater hat jeder Künstler sein eigenes Tempo. Ich habe da als Regisseur eine Theorie der „Elemen­tarisierung“ entwickelt: alle da abzuholen, wo sie stehen, und für das Ergebnis, das ich mir vorstelle, dahinzubringen, wohin es gehen soll. Eine gemeinsame künstlerische Reise. Wir waren davon überzeugt, dass wir viele Menschen zum Mitmachen bewegen können, und ich habe in meiner Arbeit viel Erfahrung mit Laien. Ein Restrisiko bleibt immer in der Kunst. Deshalb braucht man viel Kraft, die Überzeugungsarbeit und Motivation zu leisten, Akteure zu gewinnen und sie bis zum Schluss zu behalten. Gemessen an der Größe des Projekts hatten wir erstaunlich wenig Krisenmomente.
Einfacher wäre es gewesen, sich ein paar Events mit Profis einzukaufen.
Ja, aber genau das wollten wir nicht. Wir wollten etwas Neues, Außergewöhnliches für das Jubiläum. Als ich mich vor mehr als zwei Jahren das erste Mal mit dem Kulturamtsleiter Horst Zecha getroffen habe, da wussten wir nur, wir wollen einen Zeitspaziergang, an dem sich möglichst viele Sindelfinger beteiligen und der an vielen Orten in der Stadt spielt. Die Neuauflage des Kuchenritts kam dann zur Eröffnung dazu. Ich dachte: es fehlt noch der große Event, das Highlight. Als ich sah, dass der Pavillon auf dem Marktplatz abgerissen wird und die Sicht, also die Perspektive auf die Galerie wieder frei war, da sagte ich mir: dieses Gebäude müssen wir bespielen und schlug der Stadt „Sindolfs Traum“ vor, als Multimedia-Spektakel und Zeitreise. Der Titel und das Konzept fielen mir unter der Dusche ein.
Und Sie fanden mit Ihren unkonventionellen Ideen Anklang bei der Sindelfinger Stadtverwaltung?
Ich habe während der anderthalbjährigen Arbeit den Oberbürgermeister Bernd Vöhringer und das Projektteam gut kennen- und schätzen gelernt. Das hat Spaß gemacht. Und ich muss sagen, man hat viel „Spiel“raum gelassen. Auch der Gemeinderat hat uns viel Vertrauen entgegengebracht und sehr unterstützt. Viele davon, inklusive Herr Vöhringer, haben ja auch mitgespielt.
Sie gelten bei den mitwirkenden Schauspielern als Perfektionist.
Ja, weil es mir besonders wichtig ist, dass alle Menschen, die freiwillig mitmachen, gut rüberkommen. Jede Rolle ist gleich wichtig für das Ganze. Und ich setze auf Qualität beim Ergebnis. Deshalb probe ich mit jedem so lange, wie es nötig ist. Ob Fensteröffnen für die Schlussszene des Multimedia-Spektakels „Sindolfs Traum“ oder die Sprecherkinder beim Kuchenritt. Das hat manche Mitwirkenden überrascht, ist aber wichtig für die Nachhaltigkeit des Ergebnisses.
Sie haben den Bürgern auch viel Historie zugemutet.
Ja, und zwar ganz bewusst als Mehrwert zum historischen Jubiläum. Es war ein Experiment, die Menschen aktiv für die Geschichte ihrer Stadt zu interessieren. Es ist geglückt. Wir haben es geschafft, unsere komplizierte und auch furchtbare Geschichte, theatralisch gut verpackt, rüberzubringen. Die Menschen waren interessiert und berührt, wir haben ihre Gefühle ansprechen können.
Liegt das an den Figuren, die Sie erschaffen haben, um Geschichte zu transportieren?
Es ist immer gut, Geschichte über Charaktere zu vermitteln. Der Ansatz bei „Sindolfs Traum“ oder beim Zeitspaziergang war das Zusammentreffen von Personen aus dem Jetzt und der Geschichte. Da prallten Welten in Form von Denkweisen aufeinander. Beim Versuch, diese anderen Standpunkte zu verstehen, denken die ­Zuschauer auch über sich selbst und über „Gott und die Welt“ nach.
Ist es gelungen, durch das Jubiläum bei den Bürgern ein Geschichtsbewusstsein zu schaffen?
Zumindest ist es uns gelungen klarzumachen, dass Sindelfingen nicht nur ein Ort zum Arbeiten und Schlafen ist, sondern ein besonderer Ort, an dem seit vielen Jahrhunderten Menschen ganz unterschiedlicher Couleur unter verschiedenen Bedingungen zusammenleben. Dieses Bewusstsein schafft Identität.
Das Jubiläumsjahr ist noch nicht zu Ende. Planen Sie zum Abschluss einen weiteren Event?
Dazu gibt es verschiedene Überlegungen. Aber Details darf ich noch nicht verraten.

SZ/BZ-Artikel vom 31.12.2013

Peter Bausch
 

Bei „Sindolfs Traum“ auf dem Balkon der Galerie ist der Stadtgründer kurz vor Schluss der Multimedia-Schau verschwunden. Aber beim Neujahrsempfang 2014 am 5. Januar steht Ingo Sika ab 17 Uhr zum Finale des Jubiläumsjahres noch einmal in seiner Paraderolle auf der Bühne der Sindelfinger Stadthalle.

 

Frank Martin Widmaier, zunächst Regisseur des Festakts mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann Mitte April und dann künstlerischer Leiter des Festwochenendes im Juli, will mit seiner rund 30-minütigen Performance beim Neujahrsempfang den Blick resolut in die Zukunft richten.

 

Wie groß das Interesse der Sindelfinger am Finale ist, zeigte sich, als Mitte Dezember rund 800 Gratis-Karten für den Neujahrsempfang innerhalb von wenigen Stunden restlos vergriffen waren. Frank Martin Widmaier hat für das Finale noch einmal über 40 Kinder, Jugendliche und Erwachsene ins Boot geholt, die schon das ganze Jahr über im Einsatz waren.

Dabei mixt der Regisseur mit seinem Assistenten Daniel Dietrich die Glanzlichter des Festjahres: Auftreten werden die Sprecher der Grundschulen, die im Juli zum Kuchenritt in den Sommerhofenpark gezogen sind. Neu dabei ist der Jugendgemeinderat der Stadt, aus „Sindolfs Traum“ und dem Musical „Sirenen der Heimat“ vertraut sind Özgür Hakan Celik, Lilian Hild, Stefan Siebert oder Francesco Frazzetta, Sabine Duffner oder Sarah Baier.

 

Das ganze Jahr über im Einsatz war Klaus Philippscheck, der für Frank Martin Widmaier am Buch für die Performance mitgearbeitet hat. Erstmals arbeitet der Regisseur mit Adrian Werum, dem Komponisten der „Sirenen der Heimat“, zusammen. Für Technik, Bildbearbeitung und Ton verantwortlich sind die Jungen wie Patrick Müller und Fabian Krause von der Kinderfilmakademie und vom Kulturamt zusammen mit dem Stadthallen-Stammpersonal Werner Schumacher und Reinhard Reese.

Auf der Bühne stehen: Alex Sawtschuk, Alexander Rölle, Andreas Knapp, Antonietta Salemi, Bernd Vöhringer, Benjamin Kryut, Carolin Herrmann, Christina Foutsoudaris, Daniel Dietrich, Fabian Glück, Fabienne Schmitz, Francesco Frazetta, Frederick Pawlowski, Gerhard Böhm, Heinrich Hamm, Horst Uhel, Ingo Sika, Ingrid Balzer, Jana Hempich, Jonathan Hanke, Jonathan Michel, Josephine Pellegrino, Jürgen Werner, Klaus Philippscheck, Leonie Thaler, Lilian Hild, Lilly-Marie Schwab, Louis Kälbly, Milenko Milojevic, Mira Weiss, Nadja Werthmann, Nico Feuersänger, Oli Ebel, Özgür Hakan Celik, Rolf Spieß, Ronja Staiger, Sabine Duffner, Sarah Baier, Sarah Kupke, Selina Meyer, Simon Schmid, Stefan Siebert und Ursula Pfeffer-Retzbach.

Info

Der Neujahrsempfang startet am Sonntag, 5. Januar, um 17 Uhr in der Stadthalle Sindelfingen. Karten gibt es keine mehr. Beschlossen wird der Abend mit einem Feuerwerk, das um 21.30 Uhr im Park gezündet wird. Dazu lädt die Stadt alle Bürger ein.

Artikel in der Kreizeitung Böblinger Bote

 
Jubiläumsgeist soll Langzeitwirkung entfalten

"750 Jahre Sindelfingen": Rund 50 000 Menschen erlebten am Wochenende Kuchenritt, Zeitspaziergang und "Sindolfs Traum" mit

In Sindelfingen kehrt nach dem Jubiläums-Wochenende wieder der Alltag ein. Doch die für Kuchenritt, Zeitspaziergang und "Sindolfs Traum" Verantwortlichen wollen gar nicht, dass die Stadt wieder ganz in ihren normalen Betriebsmodus zurückfällt, sondern dass der Geist des Jubiläums möglichst lange nachwirkt.

 

SINDELFINGEN. Montagvormittag um halb zehn auf dem Marktplatz. Dass sich hier an den beiden Abenden zuvor jeweils etwa 7000 Menschen drängten, um das Multimedia-Spektakel "Sindolfs Traum" zu bestaunen und zu feiern, lässt sich nur noch erahnen. Techniker auf einem Hubarbeitsbühne sind dabei, das Equipment zu bergen, mit dem die Show an die Fassade der Galerie projiziert worden war. Mitarbeiter der Wirte, die den Hunger und den Durst der Gäste stillten, klappen Biertischgarnituren zusammen. Berge von Leergutkisten zeugen davon, dass ein in doppeltem Sinne heißes Wochenende hinter ihnen liegt. Von der Bühne am unteren Marktplatz werden die Scheinwerfer abmontiert. Schülerinnen und Schüler räumen die Container in der Planie aus, in denen sie für den Zeitspaziergang Aspekte der jüngeren Stadtgeschichte präsentiert hatten.

 

Auf dem Parkplatz an der Martinskirche steht eine einsame Kühltruhe. Im Probsteigarten ist wieder himmlische Ruhe eingekehrt. Der Schaffhauser Platz ist bereits abgeräumt und scheint auf das nächste Fest zu warten. Axel Finkelnburg biegt noch ziemlich geplättet in die Untere Vorstadt ein. Er war am Wochenende in vielfältigen Rollen zu sehen: Als Stadtrat verteilte er beim Kuchenritt im (schweißtreibenden) historischen Gewand Laugenkringel an die Schüler. Dann schlüpfte er ins Kostüm des alamannischen Sippenführers Sindolf und erinnerte beim Daimler, der sich ebenfalls am Zeitspaziergang beteiligte, die Besucherinnen und Besucher an den Namensgeber der 750-jährigen Stadt. Und in "Sindolfs Traum" am Abend gab er den Mönch Kilian, der die Gegend um Sindelfingen christianisierte. "Eine Nacht noch, dann geht's wieder", sagt er und stapft weiter.

Die Siedlungen der Steinzeitmenschen, der Kelten, Römer und Alamannen im Sommerhofenpark sind verschwunden. Nur Infotafeln erinnern noch an das rege Treiben, das am Samstag und Sonntag dort herrschte. Auch die Ehrentribüne für den Kuchenritts ist abgebaut. Im dürren Gras ist nur noch der Kuchen markiert, in dessen neun Segmenten sich die Schüler aus neun Grundschulen am Samstagvormittag gesammelt hatten. In seinen Mitte stecken noch die neun weißen Lanzen mit je einem bunten Ring, das Symbol des neu konzipierten Kuchenritts.

Frank Martin Widmaier, der künstlerische Leiter des Stadtjubiläums, ist "glücklich, dass alles so wahnsinnig gut gelaufen ist". Überall in der Stadt habe eine entspannte Atmosphäre mit begeisterten Menschen geherrscht. Die Organisatoren schätzen, dass am Wochenende rund 50 000 Besucher bei den Veranstaltungen waren. Doch nicht allein die Masse macht's. "Ich hatte das Gefühl, dass sich die Leute für die Geschichte Sindelfingen interessieren", sagt Widmaier. Diesen Eindruck bestätigt Horst Zecha, der Leiter des Kulturamts und der Organisationskomitees fürs Jubiläum. "Die Besucher haben es als außerordentlich positiv wahrgenommen, dass sie auf ein Fest mit Inhalt kamen, auf dem es nicht nur ums Essen und trinken ging", berichtet er.

"Eine völlig neue Dimension" habe Sindelfingen mit "Sindolfs Traum" beschritten, sagt Zecha. Bei diesem Multimedia-Spektakel seien Licht- und Toneffekte nicht um Light und Sound willen eingesetzt worden, sondern um Inhalte zu vermitteln. "Geschichte", sagt Frank Martin Widmaier, "wird nur über Emotionen transportiert."

Horst Zechas Wunsch, dass am Jubiläumswochenende "ein Fest von Sindelfingern für Sindelfinger" gefeiert wird (bei dem natürlich auch Auswärtige nicht wieder heimgeschickt worden sind), hat sich erfüllt. Und auch das Konzept des Zeitspaziergangs sei aufgegangen, zieht er Bilanz: "Die Be-

Kuchenritt "herrliches Spektakel"

sucher wurden dorthin geführt, wo Sindelfingen am schönsten ist: in den Sommerhofenpark, in den Stiftsbezirk, in die Altstadt." Viele Gäste seien erstaunt darüber gewesen, Sindelfingen auf eine Weise kennenzulernen, wie sie die Stadt bisher nicht kannten.

Als "herrliches Spektakel" hat der Orga-Chef auch den neu inszenierten Kuchenritt erlebt. "Die Idee ist gut; auf ihr kann man aufbauen - wenn wann will", deutet Zecha an, dass dies nicht der letzte Kuchenritt gewesen sein könnte. Doch über eine Fortführung der alten Tradition in neuer Form "müssen andere entscheiden". Bei den Verantwortlichen setzt man darauf, dass der Geist, der die Stadt im Jubiläumsjahr durchweht, eine Langzeitwirkung entfaltet. "Es wäre schön, wenn das Gefühl ,Sindelfingen ist unsere Heimat gestärkt würde", sagt Zecha.

Artikel in der SZ/BZ vom 28.03.2014:

„Eine Brücke schlagen in die Zukunft“

28.03.2014 - Von Chefredakteur Jürgen Haar

Als Dankeschön lädt Sindelfingens Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer am Samstag die Mitwirkenden und Helfer beim 750-jährigen Stadtjubiläum zu einem Fest in den Glas- palast ein. Es ist das Finale der Jubiläumsaktivitäten. Doch der Schwung aus dem letzten Jahr soll mitgenommen werden.

 

Darüber sprach die SZ/BZ mit Frank Martin Widmaier, dem Regisseur von „Sindolfs Traum“ und künstlerischem Leiter des Fest-Wochenendes im Juli 2013.

 

Das Sindelfinger Stadtjubiläum hatte beim Neujahrsempfang ein grandioses Finale. Welche Idee steckte hinter der Performance 2014?

Frank Martin Widmaier: „Die Idee war, eine Brücke zu schlagen in die Zukunft, um die vielen Themen und Menschen aus dem Jahr 2013 hinüberzunehmen in die Zukunft der Stadt – gemäß dem Sindelfinger Jubiläumsmotto: ‘So viel Geschichte, so viel Zukunft’. Es sollte also eine inhaltliche Reflektion über Gestaltungsmöglichkeiten von Gegenwart und Zukunft werden. Alle Mitwirkenden der Performance 2014 haben dazu quasi ein persönliches Statement auf der Bühne abgegeben, vom Kuchenritt-Kind bis zum Oberbürgermeister, vom Stadtrat bis zum Jugendgemeinderat.

 

Das neue Identitätsgefühl, das seit dem Juli-Festwochenende in der Stadt zu spüren ist, war bei den 44 Teilnehmern und Publikum beim Neujahrsempfang eindrucksvoll zu finden. Das bedeutet Aufbruchstimmung. Darauf kann Sindelfingen stolz sein“.

Welche Botschaft steckt in den Texten? Was soll sich aus den Inhalten für die Zukunft in Sindelfingen ergeben?

Frank Martin Widmaier: „Kreative Anregungen wie ‘Sindolfs Biennale’ und ein Jugend- beziehungsweise Kulturzentrum in der Innenstadt oder die öffentliche Wahrnehmung des Jugendgemeinderats nenne ich jetzt als Beispiele. Und: Die Diskussion läuft, die Aufmerksamkeit ist da, das Interesse ist groß. 2013 hat die Menschen in Sindelfingen bewusster werden lassen, in welchen historischen und kulturellen Zusammenhängen sie leben. Der Kreis der Aktiven hat sich deutlich vergrößert. Jetzt muss das Ziel sein, diese wunderbare Dynamik zu halten und für die Zukunft der Stadt zu nützen, die durch hoch entwickelte Technologie, notwendige Bildung, aber auch durch vielfältige Kultur und Geschichte geprägt sein wird. Die Performance 2014 sollte aber auch zeigen, dass die Interessen von Kindern und Jugendlichen dabei besonders beachtet werden müssen“.

Was könnte sich aus Ihrer Sicht aus dem breiten Engagement der Bürger entwickeln?

Frank Martin Widmaier: „Generell eine noch aktivere Stadtgesellschaft in allen Bereichen, ob Politik, Sport oder Kultur. Dazu ist Sindelfingen exemplarisch auf einem guten Weg. Das jetzige Alleinstellungsmerkmal als Industriestandort in der Erweiterung zur Kulturstadt wird die Attraktivität der Stadt in jeder Richtung erhöhen, da bin ich sicher. Ein neues Format wie ‘Sindolfs Biennale’ könnte dazu beitragen und das erfolgreiche Konzept des Jubiläumsjahres mit seiner breiten Bürgerbeteiligung in formal und inhaltlich außergewöhnlichen Kunst- und Kulturprojekten weiterentwickeln“.

Werden Sie weiter in Sindelfingen tätig sein?

Frank Martin Widmaier: „Da bin ich in Gesprächen mit der Stadt. Mein in Sindelfingen entstandenes Netzwerk und interessante Kontakte meines beruflichen Umfelds im Kunstbereich würde ich gerne weiter einbringen und damit eine neue Plattform schaffen, die weit über die Stadtgrenze wahrgenommen wird.

Es wäre großartig, wenn solch ein Kunst- und Kulturprojekt, sagen wir alle zwei Jahre, die Menschen der Stadt so zusammenbringt, wie es zum Beispiel bei ‘Sindolfs Traum’, im Stadtmusical, beim Rosstag oder dem Zeitspaziergang gelungen ist. Bewährtes, aber auch Neues, immer im Kontext mit den Sindelfingern habe ich da als Grundkonzept im Kopf. Auch in Abstimmung mit den lokalen Kulturschaffenden, und ohne deren Projekte infrage zu stellen oder Budgets anzugreifen. Damit kann das 2013 verstärkte Identitätsgefühl weiterentwickelt werden. Für den Standort Sindelfingen wäre das ein großer Gewinn“.

 

Eine Biennale im Geist des Jubiläums

 

Von Gerlinde Wicke-Naber

01. Oktober 2014 - 12:11 Uhr

 

Nachdem 2013 ein kultureller Höhepunkt den anderen jagte, arbeitet man nun an einem Konzept für eine regelmäßige Veranstaltungsreihe zur Geschichte der Stadt. Der Auftakt soll im kommenden Jahr sein.

 

Eine moderne Version des historischen Kuchenritts ist ein Höhepunkt

beim 750-Jahr-Jubiläum gewesen. Nun soll der Ritt alle zwei Jahre stattfinden.

Foto: factum/Archiv

 

 

Sindelfingen - Bereits während des gigantischen Jubiläumsjahres, das die Sindelfinger 2013 mit unzähligen Events zelebrierten, war immer wieder der Wunsch zu hören, einen Teil der vielen Kulturprojekte auch in die Nachjubiläumszeit zu retten. Erstmals beim Neujahrsempfang deutete sich dann an, in welche Richtung das gehen könnte. Von einer Sindelfinger Biennale war die Rede. Frank-Martin Widmaier, der künstlerische Leiter des Jubiläumsjahres, sprach erstmals davon. Und die Stadträte, euphorisiert wie die meisten Sindelfinger nach diesem Jahr, befeuerten sogar während der Haushaltsdebatte diese Idee.

keine Zips Gefunden

Nun werden die Pläne konkreter. Am Mittwochnachmittag diskutieren die Räte im Kulturausschuss das erste Konzept für eine Sindelfinger Biennale, die nach den Vorstellungen von Horst Zecha, dem Kulturamtsleiter, künftig alle zwei Jahre, erstmals bereits 2015, stattfinden soll. „Sindolf-Biennale“ soll das Ereignis heißen – benannt nach Sindolf, dem halb realen, halb fiktiven Gründer der Stadt, der zum Symbol des 750-Jahr-Jubiläums wurde. Horst Zecha hat gemeinsam mit dem Regisseur Widmaier sowie weiteren lokalen Akteuren der Kulturszene eine Projekt-Skizze für diese Veranstaltungsreihe entworfen. Drei Hauptevents sieht diese vor: Den bei dem Jubiläum neu belebte Kuchenritt, ein historisches Freilufttheater an der Martinskirche sowie ein Kunstprojekt in der Sindelfinger Altstadt mit Licht- und Textinstallationen.

Mittelalteralterkrimi als Freilufttheater

Am weitesten gediehen sind die Überlegungen zum Theater. Geplant ist ein Krimi, der im 12. Jahrhundert im Chorherrenstift spielt. Inszenieren wird das Frank-Martin Widmaier. Aufgeführt wird das Stück voraussichtlich im Juli 2015. Hinzu kommen weitere Projekte der Kinderfilmakademie und ein genarationenübergreifendes Erzählprojekt. Außerdem können Vereine, Gruppen und Bürger auch wieder eigene Projekte verwirklichen. 210 000 Euro sieht der Etat für die Biennale vor, hinzu kommen weitere 40 000 Euro, die der Gemeinderat bereits für dieses Jahr als Planungsrate eingestellt hat.

Als erster Stadtrat hat sich bereits Andreas Knapp (FDP) gemeldet. Er schlägt vor, das Programm um einen Ball zum Abschluss der Biennale zu ergänzen. Dazu möchte er im Kulturausschuss einen Antrag einbringen. „Möglicherweise wird das zusätzlichen Finanzbedarf erfordern“, ist er sich bewusst.

Die Finanzen werden vermutlich einer der Punkte sein, über den die Stadträte bei aller Euphorie über dieses Projekt diskutieren werden. Wurde doch schon das Stadtjubiläum deutlich teurer als ursprünglich geplant. Statt einer Million Euro wurden es am Ende 1,7 Millionen. Auch darüber wird Horst Zecha in der Sitzung des Kulturausschusses Rechenschaft ablegen. Er spricht von einer „regelrechten Jubiläums-Dynamik“, die sich im vergangenen Jahr entwickelt habe.

Experten im Kulturausschuss

Tatsächlich wurden im Laufe des Jahres von Vereinen, Kirchen und Gruppen weit mehr Mitmach-Projekte und Veranstaltungen durchgeführt, als anfangs angemeldet. „Wir wollten ganz bewusst niemanden ausschließen“, sagt der Kulturamtschef Horst Zecha.

Zu Gute kommt dem Thema Biennale sicher, dass im Kulturausschuss neben den Stadträten auch etliche sachkundige Bürger sitzen, die alle zu den Hauptakteuren der Sindelfinger Kulturszene gehören und das Jubiläumsjahr maßgeblich geprägt haben: der Kirchenmusikdirektor Matthias Hanke etwa, Ulrich von der Mülbe, der gemeinsam mit seiner Tochter das Stadtmusical „Sirenen der Heimat“ inszeniert hat, Klaus Philippscheck, der Experte für die Sindelfinger Stadtgeschichte, oder Sabine Duffner vom Theaterensemble.